Schaftrieb

Ötztaler Alpen
September 2017

 

Schaftrieb Ötztaler Alpen, September 2017

Welch originelle Idee: Eine Salzburgerin schenkt ihrem Mann zum runden Geburtstag die Teilnahme am Schaftrieb! Er ist selbst über den Sommer Hirte und versorgt dort zahlreiche Kühe und Schafe, also ein Profi.

Wir entschieden, am Freitag 8.9.17 mit dem Auto nach Vernagt im Schnalstal zu fahren und von dort über die Similaunhütte zur Martin Busch-Hütte auf- bzw. wieder abzusteigen. Dieser Anstieg ist zwar länger und beinhaltet mehr Höhenmeter, ist aber landschaftlich viel reizvoller als jener von Vent.
Auf der Südtiroler Seite war erst noch traumhaftes Wetter, aber zunehmend trübte es sich ein und oben bei der Similaunhütte war es richtig kalt. Da waren wir sehr froh über einen heißen Tee und einen guten Apfelstrudel bei Ulli + Markus Pirpamer.

Schafe im Nebel

Schaftrieb September 2017Am Samstag Morgen war noch einigermaßen schönes Wetter, aber von Südtiroler Seite hingen dunkle Wolken über das Niederjoch. Es war kalt und neblig, aber es regnete und schneite zumindestens nicht. Beim Gehen war es kein Problem, aber bei der Rast unterhalb des Niederjochferners wurde sogar mir kalt, und das will etwas heißen!

Das Wetter war auch ein Grund, warum es diesmal nur so wenige Fotos gibt. Aber Schafe im Nebel haben durchaus auch ihren Reiz, wie man am Foto links sieht! Zum Glück waren aber die Tage vor dem Abtrieb nebelfrei, da das Zusammensuchen und Zusammentreiben der Schafe auch bei guter Sicht schon schwierig genug ist.

Gletscherrückgang

Apropos Niederjochferner: Sogar mit freiem Auge kann man von Jahr zu Jahr den Rückgang des Gletschers erkennen. Wenn ich mich daran erinnere, wie weit die Gletscher noch vor 30 bis 40 Jahren herunterreichten! Viele Anstiege, die wir damals als Kinder gemacht haben als reine Gletschertouren, sind heutzutage nicht mehr möglich wegen Steinschlag. Oder die Anstiegsrouten wurden geändert. Andere Gipfel hingegen sind nun gletscherfrei zu begehen, wie z.B. der Schrankogel in den Stubaier Alpen.
Übrigens: Die Besteigung des Schrankogels, 3497 m, steht im Sommer 2018 auf meinem Tourenprogramm! Mehr Infos zu dieser Alpenvereinstour gibt es hier.

Über das Niederjoch

Nach der Rast unterhalb des Niederjochferners gingen die Schafe wie jedes Jahr ohne Pause weiter vorbei an der Similaunhütte bis hinunter ins Tisental. Dort, auf den grünen Wiesen, gab es für sie wieder eine längere Rast und Gelegenheit zu fressen. Wir – und auch einige der Treiber – kehrten allerdings wieder in der Similaunhütte ein, um uns einen heißen Tee zu gönnen.

Wie jedes Jahr wurden auch heuer vor dem Abtrieb neugeborene Lämmer und kranke Schafe aussortiert und von der Martin Busch-Hütte per Transporter nach Südtirol gebracht. Aber auch in der Nacht und unterwegs kommen noch Lämmer auf die Welt. Sie werden in Holzkraxn verfrachtet, in der Hand getragen oder kurzerhand in den Rucksack gesteckt, um sie gut ins Tal zu bringen.
Manche Muttertiere sind unglaublich fürsorglich und lassen ihren Nachwuchs nicht aus den Augen und attackieren sogar die Hirtenhunde, wenn sie ihnen zu nahe kommen. Wie man auf den Fotos sieht, folgt ein Muttertier sogar „bei Fuß“, wenn man ihre beiden Lämmer trägt!

 

Impressionen

Fotos: Barbara Haid