Wandern in den Pyrenäen

Trekkingwoche in Andorra
Pic de Comapedrosa, 2942 m
Höchster Berg von Andorra

 

Andorra als Reiseziel

Nicht gerade eines der herkömmlichen Reiseziele! Aber das nur 468 km2 große Land bietet für Wanderer eine Menge schöner Touren. 2012 habe ich einige der Touren erkundet (siehe mein Blogeintrag).

Von 26. September bis 5. Oktober 2014 habe ich für das Reisebüro WELTbewegend.at eine Trekkingreise geleitet: eine Woche Andorra mit 2 Tagen Verlängerung in Barcelona.

Andorra ist einer der so genannten Zwergstaaten und ist zu 100% ein Gebirgsland als Teil der Pyrenäen. Die Hauptstadt Andorra la Vella liegt bereits auf 1.011 m und ist damit die höchstgelegene Hauptstadt Europas.

Romanische Kunst

Sehenswert sind auch die zahlreichen romanischen Kirchen, die leider Ende September bereits alle verschlossen waren. Eine der schönsten, die Kirche Sant Joan de Caselles in Canillo aus dem 11./12. Jahrhundert konnten wir dann – zumindest von außen – doch noch besichtigen.

UNESCO Weltkulturerbe

Einige Wandertouren führen in das Gletschertal von Madriu-Perafita-Claror, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Es ist eines der authentischsten und überraschendsten Wandergebiete von Andorra. Abwechslungsreiche Landschaften, Trockensteinmauern, Bordas (typische alte Häuser) und Hütten sind Zeugnisse der Kultur.

Andorra als Einkaufs- und Steuerparadies

Unser Hotel lag mitten im Stadtzentrum von Andorra La Vella. In der nahe gelegenen Einkaufsstraße reihen sich vor allem Parfum- und Tabakgeschäfte aneinander. Ein Großteil der Touristen kommt nur zum Shoppen in das Steuerparadies.
Kurt Bayer, einer der Teilnehmer an unserer Reise, beleuchtet in seinem kritischen Blogbeitrag „Ist Andorra das Dubai der Pyrenäen?“ diese andere Seite des Zwergstaats.

Samstag 27.9.14: Pic de Comapedrosa

Zugegeben, den höchsten Berg Andorras mit einem Höhenunterschied von fast 1400 m gleich am ersten Tag zu machen, ist eine Herausforderung! Aber wir wollten unbedingt den laut Wetterbericht schönsten Tag der ganzen Woche nutzen. Umso erfreulicher, dass alle Teilnehmer_innen den Gipfel erreichten und die wunderschöne Aussicht über das ganze Land (im wahrsten Sinn des Wortes!) genießen konnten.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem öffentlichen Bus nach Arinsal (1550 m) führte uns der Weg auf den Pic de Comapedrosa (2942 m), vorbei am Refugi de Coma Pedrosa (2272 m). Kurz vor dem See Estany Negre (2628 m) bogen wir rechts ab, um über den langen Rücken den Gipfel zu erklimmen. Beim Rückweg, vorbei an der Portella de Baiau mit Blick hinunter in den spanischen Teil der Pyrenäen, ging es hinunter zum See. Einige Mutige wagten ein kurzes Fußbad im erfrischenden See.
Höhenmeter: 1392 hm

Sonntag 28.9.14: Refugi de Perafita

Welch Kontrast: Erst durch DIE Einkaufsstraße von Andorra la Vella (1011 m) mit den unzähligen Parfum- und Tabakgeschäften, dann aber bald abzweigend in die Ruhe des Waldes. Einem der Fernwanderwege folgend, ging es über alte Karrenwege bis Pont d’Entremesaigües (1470 m) am Eingang des UNESCO Weltkulturerbes Madríu – Perafita – Claror. An diesem Ort teilte sich der Weg: Rechts ging es zur Hütte Refugi de Perafita, unserem heutigen Ziel, gerade aus zur Hütte Fontverd (eines unserer nächsten Ziele). Der Weg führte wunderschön einem rauschenden Bach entlang, das letzte Stück steiler bergauf, bis sich unmittelbar vor der Hütte eine weitläufige Weidelandschaft auftat.
Nach einer kurzen Rast bei der Hütte beschlossen wir, wieder abzusteigen, um noch vor dem angekündigten Regen wieder im Hotel zu sein. Ganz gelang es nicht, wir wurden doch ein bisschen nass.
Verwunderlich war, dass in wir in so einem herrlichen Wandergebiet mit gut markierten (Fern-)Wanderwegen so wenigen anderen Wanderern begegneten! Einzig am Comapedrosa trafen wir doch einige Wanderer bzw. wurden von diesem im Eilschritt überholt.
Höhenmeter: 1189 hm

Montag 29.9.14: Pic de Casamanya

Obwohl der Wetterbericht uns für heute Schlechtwetter mit Regen vorausgesagt hatte, war es in der Früh schön, zum Teil bewölkt, aber auch sonnig. Also beschlossen wir kurzfristig, uns mit dem Taxi zum Col d’Ordino (1980 m) bringen zu lassen und von dort auf den Pic de Casamanya (2740 m) zu steigen. In einem Führer wird er auch als magischer Berg bezeichnet. Der Anstieg über den langen Rücken mit Ausblick auf alle Seiten ist wunderschön. Im Gegensatz zum benachbarten Comapedrosa, der aufgrund des Granitgesteins eher dunkel und schroff wirkt, besteht der Casamanya aus Schiefer, was ihm seine eher runden Formen verleiht.
Manchmal rissen die Wolken auf und gaben den Blick frei auf die Berge ringsum, auf die im Sommer nicht gerade ansehnlichen Skigebiete sowie auf über uns kreisende Bartgeier.
Höhenmeter: 760 hm

Dienstag 30.9.14: Estany d’Engolasters – Col Jovell – Refugi Fontverd

Erst ging es mit dem öffentlichen Bus bis zum Ort Encamp (1250 m) und dann durch einen Föhrenwald zum See Estany d’Engolasters (1615 m). Einige von uns wählten einen alternativen Anstieg, doch beim See trafen wir zum Glück wieder alle zusammen. Der Estany d’Engolasters ist keiner der unzähligen kleinen Bergseen, sondern ein Stausee, dessen Umgebung sehr touristisch ist – mit Cafés, Restaurants, einem kleinen Elektrizitätsmuseum.
Der Weiterweg zum Col Jovell (1779 m) führte erst über einen für Sehbehinderte (!) adaptierten Wanderweg, vorbei an Boulderfelsen und mit schönen Tiefblicken auf die Hauptstadt Andorra la Vella. Einige Schritte vom Col Jovell gab es für unsere Gipfelsammler einen weiteren benannten und vermessenen Gipfel, den Roc d’Esquers (1778 m).
Vom Gipfel ging es weiter zum in einer schönen Lichtung gelegenen Refugi de Fontverd (1886 m). Der unter der Kuhherde weilende Stier konnte nicht mehr als „Jungstier“ bezeichnet werden. Der blickte uns so grimmig an, dass sogar ich einen Umweg über Blockgelände vorzog.
Höhenmeter: 736 hm (inkl. Gegensteigungen)

Donnerstag 2.10.14: Col und Pic dels Pessons

Heute stand der landschaftliche Höhepunkt auf dem Programm: die Seenwanderung durch den Circ dels Pessons.
Ein Taxi brachte uns nach Grau Roig (2103 m) inmitten des weitläufigen Skigebiets Grandvalira, nahe der französischen Grenze. Riesige Parkplätze, Schneekanonen, geschlossene Hotels und Restaurants, einsam am Lift hängende Sessel – und dazu die ungewohnte Kälte. Da hieß es, schnell das Skigebiet hinter uns zu lassen und die ersten Sonnenstrahlen zu erhaschen. Ab dem Restaurant beim ersten See, dem Estany Primer (bedeutet auf Katalanisch auch „Erster See“) wechselten wir in ein unberührtes Tal mit Dutzenden kleinerer und größerer Bergseen, einer schöner als der andere und mit riesigen Granitblöcken. Das letzte Stück hinauf zum Pass Col dels Pessons (2816 m) war steil, aber wir wurden mit einen großartigen Ausblick belohnt. Der gleichnamige Gipfel Pic dels Pessons (2864 m) war vom Col unschwer zu erreichen und bot einen Rundumblick auf drei Länder (Andorra, Frankreich, Spanien) und Tiefblicke auf unzählige dunkelblaue Bergseen.
Höhenmeter: 761 hm

 

Freitag 3.10.14: Transfer nach Barcelona

Mit dem Transferbus ging es nach Barcelona, wo wir gleich den Nachmittag für eine Stadtbesichtung nutzen konnten. Je nach Lust und Laune auf den Montjuïc, zu den Bauwerken von Gaudí, ins lebhafte Treiben in der Rambla, in das berühmte Camp Nou-Stadion oder in eines der vielen Museen.

Samstag 4.10.14: Montserrat

Bei der Busfahrt von Barcelona nach Andorra konnten wir schon einen ersten Blick auf das bizarre Montserrat-Gebirge werfen. Heute wollten wir den höchsten Berg, den Sant Jeroni (1224 m, lt. Tafel am Gipfel 1236 m) besteigen. Dazu ging es von der Plaça Espanya mit dem Zug bis Monistrol und dann weiter mit der Zahnradbahn zum Kloster Montserrat (793 m). Bereits um halb 10 gab es rund um das Kloster – gelinde gesagt – reges Treiben. Doch sobald wir in den Wanderweg Richtung Sant Jeroni abbogen, hörte der Trubel recht schnell auf. Über teils betonierte (!) Wege und unzählige Stufen ging es durch den Wald und das letzte Stück wieder auf Stufen zum betonierten Gipfelplateau des Sant Jeroni. Keine Ahnung, warum hier soviel Beton verbaut werden musste!
Die bizarren, aus Konglomeraten bestehenden Felsen des Montserrat erlauben viele Interpretationen: Manche sehen je nach Blickrichtung aus wie Gesichter, Elefanten, Tierköpfe, etc.
Höhenmeter: 590 hm (inkl. Gegensteigungen)

In Summe haben wir an 7 Tagen mehr als 6500 Höhenmeter geschafft und dabei den höchsten Berg Andorras bestiegen!

Gipfelfotos der anderen Art …

Fotos: Barbara Haid, TourteilnehmerInnen